Freitag, 14. Juli 2017

Etappe 11 - Ankommen in Santiago

Das Ziel des heutigen Tages ist Ankommen in Santiago. Der Weg dahin ist gar nicht mehr so besinnlich. Viele große Straßen, wenig Grün rechts und links und wenige Cafés.

Aber so richtig braucht es einer schönen Landschaft heute auch nicht. Die Gedanken sind sowieso schon am Ziel. Also laufen wir wieder mit unglaublicher Geschwindigkeit. Die ersten elf Kilometer sind in zwei Stunden geschafft. Danach wird es ein bisschen langsamer.
Gegen Mittag erreichen wir den "magischen" Stein,, ab dem es weniger als 10km bis zur Kathedrale sind. Ab da ist Gänsehaut...
Als wir endlich in Santiago de Compostela sind, ist das Gefühl überwältigend. Unglaublich, was wir geschafft haben! Unglaublich, wie leicht es am Ende doch gu ertragen war. Und wir sind nicht allein. Überall lachende, jubelnde und Freudentränen wischende Menschen. Zum Glück läuft Sohnemann hinter mir. In meinem Kopf ist nur Platz für ein Wort: "Danke!"
Danke an Milla und meinen Schatz Elisabeth, die mich haben gehen lassen! Danke an Djangos Mama, die ihm das Mitkommen ermöglicht hat. Danke an die vielen lieben unterwegs, die uns den Weg haben schaffen lassen und so herzlich waren: Helmut und Waltraud im ganz besonderen! Und vor allem ein Dankeschön und lieben Gruß an Steffi, Patrizia, Guido, Pia und Cathleen! Ihr wart großartige und inspirierende Begleiter unseres Weges!
Die Messe in der Kathedrale sollte der krönende Abschluss unseres Weges werden. Schlussendlich war es aber das Beisammensitzen mit unseren Pilgerfreunden nach der Messe - mit Wein aus Pappbechern - abseits des Pilgertrubels.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Etappe 10 - Besinnung

Es lässt sich gar nicht so richtig in glaubhafte Worte fassen. Der Blogeintrag muss schon allein aus diesem Grund darauf warten, mitten in der Nacht getätigt zu werden...
Die heutige Etappe erzeugt Worte in den eigenen Gedanken, die für sich genommen fast schon gewaltig klingen: Besinnung, Resümee, Reminiszenz, Elektrisierung, Glaube, Abschied,...
Und dennoch ist diese zehnte Etappe von Leichtigkeit geprägt. Leichtigkeit und Entschleunigung. Wir merken die Rucksäcke nicht mehr, trotzdem sie mit dem einen oder anderen kleinen Mitbringsel gefüllt sind und zu Beginn der Etappe auch noch volle Flaschen beinhalten. Die Füsse tun kaum noch weh beim Gehen. Das morgendliche Losgehen ist eingespielt, nach kurzer Suche sind wir auf dem Camino, überholen die Pilger-Touris und finden dann zu unserem eigenen Tempo. Heute etwas langsamer, ohne dass wir dies bewusst täten. Aber die wundervolle Landschaft, die heute sehr abwechslungsreiche und leichte Wegführung und nicht zuletzt das Wissen um unsere Annäherung an das Ziel geben einen ruhigeren Schritt vor.
Unterwegs treffen wir so viele der uns mittlerweile vertrauten Menschen wieder. Die Zwischenstopps verlängern sich entsprechend, man genießt das Beisammensein. Cafe americano ist längst zum Standardgetränk geworden, Sohnemann hat sich auf Eistee und Kakao festgelegt. Und nach den Stopps geht es wieder auf den Weg.

Schweigend über weite Teile. Tatsächlich dringt selbst aus den mit dem Handy verbundenen Kopfhörern meines Sohnes heute nicht leise seine Musik. Stattdessen hört er sich über Stunden die Geschichte "Bob dem Streuner", einem ehemals Drogenabhängigen der dank der Freundschaft zu einer Katze zu sich findet, an. Ab und an reden wir über den Weg, über unsere Pilgerfreunde oder unser Tempo. Die Herberge der letzten Nacht ist kein Thema mehr.
Und dann ist wieder Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel über jene herausfordernde Etappe, die zwischendurch unschaffbar schien und diesen Moment des Beschenktwerdens enthielt. Vom Gipfel des an diesem Tag bezwungenen Berges habe ich einen kleinen Stein mitgenommen. Der wird mich an diesen Tag erinnern. Die großartigen Menschen sind auf einmal alle präsent. Steffi, Patrizia, Guido, Pia, Cathleen (die vielleicht ja Kathleen heißt), die uns nach einem gemeinsamen Abend in einer Casa in Valinhas immer wieder über den Weg laufen, die wir zwischendurch verloren zu haben glauben und uns über ein Zusammenfinden so sehr freuen. Helmut, der seine wundervolle Unterkunft in Rubiäes betreibt, vor allem zuhören und inspirieren kann und die so nachhaltig wirkenden Erfahrungen einer Pilgerfreundin berichtet. Das Kleinteam, von dem wir immer noch nicht wissen, ob Oma und Enkel oder Mutter und Kind pilgern. Jene ältere Dame, die uns seit Arkonde immer wieder an Aufstiegen begegnet und als einzige meinen Sohn fragt, wie ihm das Pilgern denn gefällt. Sie gibt ihm den Raum für das Aussprechen der Freude am gemeinsamen Gehen. Und da sind die vielen hier lebenden Menschen, die uns Pilger mit so viel Offenheit und Herzlichkeit begegnen.
"Obrigado!" - Danke. Auch das ist etwas, das bleibt.
Und schließlich bleibt das Gefühl, in allen Dingen die richtigen Begegnungen gehabt zu haben: zwischen Vater und Sohn, mit anderen Menschen, mit den eigenen Grenzen und mit der richtigen Kraftquelle. Vor allem aber bleibt das Gefühl, mir selbst begegnet zu sein.
Morgen warten noch etwas mehr als 20km auf uns. Und dann Gesang? Oder das Gefühl, mitgenommen zu werden? So oder so war es ein guter Weg.

Dienstag, 11. Juli 2017

Etappe 9 - der Shinkanzen unter den Pilgern

Nur damit das vorab klar ist, der Shinkanzen gilt bzw. galt als der schnellste Zug der Welt im Normalverkehr. Nach neun Tagen Pilgerwanderung, sind wir zwei gerade die schnellsten Menschen auf dem Weg. Zumindest unter denen, die wir so treffen. Das hat zwei Gründe:
Zum einen laufen wir mittlerweile die meiste Zeit still nebeneinander. Dabei hört Sohnemann seine Musik, die ihn erstens motiviert und zweitens durch ihre Geschwindigkeit antreibt - Battlerap eben.
Zum anderen sind wir seit der 7. Etappe nicht mehr nur mit den sehr angenehmen Pilgerfreunden unterwegs. Seit Tui bzw. O Porrino sind die meisten anderen Pilger auf dem Weg ständig plärrende Großgruppen. Diese Pilger "mit leichtem Gepäck" laufen nur die letzten 100km, sie bekommen ihr Gepäck gefahren, werden zum Teil noch unterwegs versorgt. Auf dem Weg rotten sie sich scheinbar zusammen und fallen dann zum Stempelsammeln in die Cafés und teilweise die Kapellen ein. Da sie meist schon sehr früh starten - wahrscheinlich wartet auf sie am Zielort jeweils ein buntes Programm zur Entspannung - kann man kaum früher loslaufen, um ihnen zu entgehen. Läuft man zu spät los, haben sich die Großgeuppen in kleinere, aber nicht weniger laute, zerschlagen und man ist gleich vielfach genervt. Also gehen wir so gegen sieben los. Dann holen wir die Gruppen nach ca. einer halben Stunde ein. Wir lächeln fröhlich, wenn wir an ihnen vorbei ziehen. Aber im Gegensatz zu den echten Pilgern, hören diese Guido Horns des Pilgertums von uns nur ein "Ola" (Hallo). Denen zeigen wir es also. Tag für Tag.

Ich übrigens kann mittlerweile den Stöpseln in Sohnemanns Ohr richtiggehend etwas abgewinnen. Sie schenken mir die Ruhe, um in Gedanken versunken über den Weg zu trotten oder mich an vermeintlichen Kleinigkeiten zu erfreuen. Und ab und an ist aus irgendeinem Grund Redezeit. Dann wird es albern oder einer treibt den anderen an oder der Nachmittag wird schon mal vorgeplant.

Bislang ist der Weg übrigens sehr gnädig zu unserer Urlaubskasse. Also sind zweites Frühstück, Mittag und Abendessen im Café oder Restaurant obligatorisch. Wir essen selten riesige Portionen, aber dass wir erst einmal eine Rechnung von mehr als 15 Euro hatten, meist sogar unter zehn Euro bleiben, ist schon bemerkenswert. Dann darf es für eine gute Übernachtung auch mal etwas mehr Geld sein.
Apropos...
Spanien scheint hier katholisch konservativ. So sehr, dass beispielsweise die 20:00 Uhr-Messe der großen Kirche hier in unserem Etappenort Caldes de Reis den lieben Hombres/Männern vorbehalten ist. Wie das zu europäischen Gleichbehandlungsgrundsätzen passt, weiß ich ja nicht. Auch nicht, warum irgendein Katholik auf der Welt über die Geschlechtertrennung im Islam schimpft, wenn seine/ihre Kirche auch... Egal, ich habe vielleicht zum Glauben gefunden, aber ganz bestimmt nicht zur Kirche. Schon gar nicht zu so einer.





Wirklich bemerkenswert ist in diesem katholischen Fleckchen der Welt jedoch unsere heutige Unterkunft. Sie ist zu gleichen Teilen Unterkunft für Pilger und Stundenhotel. Auf booking.com übrigens durchaus gut bewertet. Vielleicht hatte ja so mancher enthaltsame Pilger hier schon seinen Spaß. Für uns aber fühlt es sich befremdlich an, wenn man Zutritt nur durch ein fernbedientes Tor nach Betätigen der Sprechanlage erhalten kann, wenn Zimmer so klangvolle Namen wie Playboy, Grey oder Casino tragen. Wenn zwischen Schlafzimmer und Bad eine Glasscheibe mit Frauenbild is in eindeutiger Pose Durchblicke gewährt. Und wenn vor dem eigenen Zimmer ein Versorgungsgang verläuft, der zu jeder Zimmertür hin eine Klappe birgt.
Da wir als Vater und Sohn angemeldet waren, hätten sie wenigstens die Kondome im Bad weglassen können und uns vielleicht ein Zimmer geben, in dem nicht nebenan ab 16 Uhr fröhlich und laut der Lust gefröhnt wird. Andererseits hat man so auch etwas zu berichten. Und nach neun Tagen pilgern hat sich zudem eine Gelassenheit breit gemacht, die so etwas gut übergehen kann.
Wirklich entscheidend ist nicht das Ziel, sondern was der Weg mit und aus dir macht. Diesen irgendwo aufgefangenen Spruch mag ich mittlerweile sehr. Und er gilt wohl fur den gesamten Caminho ebenso wie für den einzelnen Tag. Morgen geht es auf die vorletzte Etappe - nach Padron.

Montag, 10. Juli 2017

Etappe 8 - Prüfung

Nach den doch erfolgreichen Etappen der vergangenen Tage fühle ich mich heute geprüft. Kraft und Durchhaltevermögen kommen bislang aus dem Innehalten und dem Glauben daran, nicht ohne Begleitung zu sein. Sich das bewusst zu machen, hilft, wenn es mal schwierig ist.
Heute nun holt mich der Schmerz des rechten Knies ein. Nach einem furiosen Start bergan macht sich am ersten Abstieg auf einmal einmal ein stechender Schmerz breit. Der geht auch nicht mehr weg bis ins Ziel und lässt unterwegs die Frage aufkommen, ob Aufgeben eine Option ist.
Ist es nicht. Aber es braucht einen guten Moment bis das in mir geklärt ist.
Über neue Kraft und ein dann erträgliches Maß an Schmerzen bin ich heute dankbar.

 
Pontevedra, unser heutiger Zielort, ist eine recht schöne alte Stadt. Unsere Pension ist einfach aber sehr interessant. Hier schläft es sich bestimmt super.
Und auf der Suche nach einem Eiscafé begegnen uns erst Patrizia und ihr Guido und später Steffi. Deren Zimmersuche gestaltete sich ein wenig schwieriger, am Ende aber ist sie doch fündig geworden und hat danach Zeit, mit uns in Ruhe einen Kaffee zu trinken.

Sonntag, 9. Juli 2017

Etappe 7 - zurück an den Ozean

Morgens kurz vor sieben starten wir. Diesmal also früher als sonst. Und das hat einen Grund: wir haben heute 35km vor uns, von Tui nach Arcade.
Der Start holpert ein wenig. Pilgertouristen in großen Gruppen okkupieren - laut grölend - die beiden offenen Bäckereien in Tui. Also gehen wir los, ohne gefrühstückt zu haben. Erst nach 5km finden wir ein Frühstück, das dafür aber um so besser ist. In einem kleinen Dorf hat jemand seinen Garten zur Pilgereinkehr hergerichtet. Der Kaffee schmeckt lecker, die Milch ist heiß, es werden sehr herzliche Worte getauscht. Alles im kleinen Rahmen, irgendwie authentisch und gemacht für die "echten" Pilger. Wer weiß ob die Pilgergroßgruppen hier überhaupt vorbei geführt werden.




Wir treffen Mutter und Sohn aus Trier bei dieser ersten Rast. Der Junge ist seit vier Tagen zwölf und sichtbar stolz darauf, mit Mama pilgern zu sein. Das ist bei uns auch so, wie Sohnemanns Blick verrät.
Gestärkt nach diesem wunderbaren Frühstück geht es bald weiter. Am Ausgang des Gartens liegt noch das Gästebuch. "Thank you for coffee and smile early in the sunday morning!". Zu mehr reicht mein etwas verstaubtes Schulenglisch nicht. Aber irgendein Dankeschön wollte ich da lassen.
Nach einigen Kilometern erreichen wir ein Naturschutzgebiete. Wie im Urwald fühlt es sich hier an. Und mit vollem Bauch und viel Optimismus lässt sich dieser Ort so sehr genießen, dass unser Schritt für eine Weile deutlich langsamer wird.
Ab da werden Kilometer gemacht. Unser Tempo ist so unglaublich hoch, dass wir irgendwann scheinbar allein auf der Strecke sind. Später am Tag fordert der Körper dafür seinen Tribut. Auf den letzten Kilometern schmerzt das rechte Knie wie die Hölle. Aber dafür kommen wir gut voran.
Durch O Porrino und Redondela führt unser Weg heute. Beide Orte sind wirklich nicht schön. Aber was soll's. Wir wollen hier ja nicht wohnen, sondern nur unseren Weg finden.
Nach Redondela wird es wieder schöner. Zwischen Feldern und an Waldrändern entlang geht es nach Arcade. Wir treffen zwischendurch Patrizia und ihren Mann Guido. Mit beiden haben wir bereits den Abend in Varinhas verbracht. Jetzt laufen wir ein Stück gemeinsam und bemerken dann, dass wir im selben Hotel gebucht haben.

Einem schönen Abend steht also nichts im Weg. Und ich erinnere mich an Guidos Spruch: "Kein Caminho ohne vinho!". 😃

Samstag, 8. Juli 2017

Etappe 6 - Viva Espana

Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Erdbeerkonfitüre daraus.
Wie das gehen soll? Keine Ahnung. Aber es wird sich ein Weg finden. Wie es gehen soll, zu Fuß 130 km durch Portugal zu laufen, war irgendwie auch nicht vorstellbar. Und jetzt ist es geschafft. Am frühen Nachmittag ging es über die Brücke von Valenca nach Tui und damit von Portugal nach Spanien. Wir haben die Hälfte unseres Weges geschafft und haben nach der anstrengenden Bergetappe gestern heute relativ entspannt unserem Ziel entgegen gesehen.
Eine ganze Weile geht es von Dorf zu Dorf. Die Leute grüßen vom Traktor, aus dem Auto, von hinterm Gartenzaun. Der Weg ist über zwei Stunden fast unverändert, rechts und links stehen Mauern, dahinter wahlweise Wein, Mais oder Sträucher. Ab und an mal eine Ansammlung von Häusern. Nach gut einer Stunde das erste Café. Und selbstverständlich treffen wir hier all jene wieder, die gestern an den Bergen nach Rubiäes mit uns gegen den Anstieg "gekämpft" haben. Und jene, denen wir abends im Restaurant begegnet sind. Ein freundliches Nicken, eine kurze Nachfrage und nach einem Cafe americano dann das liebgewordene "bom caminho!". Dann geht es wieder auf den Weg.
 

Wie absichtsvoll dahingestellt wirkt ein klitzekleines Stück Grün am Wegesrand. Gerade als mir der heute recht stille Weg langweilig werden will, schaue ich an einer Brücke nach links und sehe im Glitzern des Bachs eine wunderschön grün-orangene Pflanze stehen. Zwei glitzernd blaue Schmetterlinge tanzen um die Blüten herum und fast scheint es, als könne man eine leise Sommermelodie hören bei diesem Schauspiel. Wie aus einem Feenfilm oder wie ein Ausschnitt aus dem Paradies. "Schau genau hin, suche die kleinen wunderbaren Momente rechts und links deines Weges - es lohnt sich." Etwas in der Art scheint dieser Moment mir sagen zu wollen. Ich nehme ihn mir mit als eines meiner Lieblingsbilder von heute.
Morgen wird es in Spanien weitergehen, wahrscheinlich mit einer anspruchsvoll langen Wtappe. Hoffentlich wird es nicht zu heiß.

Freitag, 7. Juli 2017

Etappe 5 - Ponte de Lima bis Rubiäes

"Danke, dass du mir die Kraft gibst, diesen Weg zu gehen!"
Diesen Satz habe ich ein paarmal im Kopf auf der heutigen Etappe. Noch am Vorabend sind wir am Scherzen darüber, dass die hohen Berge am anderen Ufer die Wege-Markierer einladen müssten, gelbe Pfeile direkt bis zum Gipfel zu zeichnen. Am Ende des heutigen Tages wissen wir, dass sie genau das getan haben. Und nicht einfach so bergan, sondern durch steile Hohlen - solche, in denen man mit den Händen den Boden vor sich berührt, während die Füße versuchen, Höhenmeter zu überwinden. Viermal wiederholt sich diese Übung insgesamt, jeweils fur einige hundert Meter. Dann ein Waldweg, eine Kurve und der nächste Aufstieg.
Am Ende jedes Anstiegs findet sich ein Platz, an dem Pilger Steine aufstapeln. Um ein Kreuz oder auf einem Felsen, Stein auf Stein oder versehen mit bunten Bändchen, Segenswünschen auf kleinen Zetteln oder Danksagungen an Verstorbene.
Nach der Erfahrung dieser Aufstiege verwundert es mich nicht, dass Menschen hier ganz bei sich sind, bei ihren Lieben und beim Nachdenken darüber, wer und was ihnen Kraft verleiht. Auf diesem Weg wächst Glauben. Und niemand zwängt dir auf, woran du glauben sollst. Ich für mich jedenfalls weiß es heute Abend ein bisschen mehr.



 
Angekommen in Rubiäes stellen wir fest, dass das Dasein als Pilger auch Momente von Dekadenz aufweisen kann. Pool, Zimmer mit eigenem Bad und Doppeldusche, ein Weinregal und die Tatsache, dass der Wirt des einzigen Restaurants im Ort uns mit dem Auto abholt und später wieder zur Unterkunft fährt, fühlen sich fast unwirklich an. Aber au verdient.
Schließlich sehen wir noch einige unserer Mitpilger vom Vortag wieder. Und nachdem wir zweimal gefragt werden, ob wir DAS Vater-Sohn-Duo seien, ist klar, dass der Weg zusammenführt, man voneinander weiß auch ohne sich getroffen zu haben.
So erfahren wir in der Unterkunft dass Steffi hier gestern Abend angekommen und heute weiter gegangen ist. Sie war gestern morgens mit uns gestartet und sozusagen den doppelten Weg gegangen. Wir waren ein wenig in Sorge, ob sie das bei dem schlechten Wetter gestern geschafft haben könnte. Und es beruhigt, dies jetzt sicher zu wissen.
Glauben mag keine Berge versetzen. Sie zu überwinden hilft er aber in jedem Fall.